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Ich frage mich, wieso die Geschlechtsorgane bei Menschen und allen höheren
Tierarten in der Nähe der Ausscheidungsorgane am Körper lokalisiert sind
und teilweise mit diesen sogar eine Einheit bilden. Wieso sind sie nicht
anderswo am Körper, beispielsweise am Bauch oder am Hals?
Als pubertierende Jugendliche haben wir uns bei dem Gedanken amüsiert, daß
die Geschlechtsorgane am Rücken, oder am Kopf oder an anderen Stellen
seien.
Daß die Stelle am Körper bei Männchen und Weibchen mehr oder weniger
übereinstimmt, ist dadurch leicht erklärlich, daß beide anatomisch
weitgehend gleich sind und sogar die Geschlechtsorgane teilweise
unterschiedliche Ausprägungen derselben Instanz sind. Wenn Männchen
beispielsweise die Geschlechtsorgane am "oberen" und Weibchen am "unteren"
Körperende hätten, wäre ein grundlegend verschiedener anatomischer Aufbau
erforderlich, was in der Artenentstehung und -entwicklung unmöglich und
unsinnig ist.
Geschlechtsorgane müssen auch erlauben, daß etwas aus dem Körper
herauskommt (Samen, Eier, Junge) (und bei Weibchen vieler Tierarten auch
hinein - Sperma), eine funktionale Anforderung, die auchfür die
Ausscheidungsorgane gilt. Das wäre also ein möglicher Grund für die
Zusammenlegung in eine funktionale Einheit.
Außerdem sind sowohl Verdauung als auch Kloake/Gebärmutter im Bauch
"angesiedelt", der dafür genügend Raum bietet und auch flexibel, dehnbar
ist. Die Öffnungen müssen also irgendwo in der Nähe des Bauches sein. Im
Falle der Verdauung haben wir auch Linearität - Nahrung an einem Ende
hinein und am anderen Ende heraus. Wenn man das evolutionär betrachtet und
an Würmer oder Blutegel denkt, erscheint das sehr plausibel. Kopf und
Extremitäten sind eine Weiterentwicklung, die erst nach der
Kopulations-Fortpflanzung aufkam, vermute ich.
Vermutlich haben sich Geschlechtsorane schon in einem Stadium der
Artenentwicklung gebildet, in dem Tiere nur zwei größere Körperöffnungen
hatten: den Mund und den After. Die spätere Differenzierung hat dann immer
darauf aufgebaut, und voilá: wir lieben uns mit unseren
Ausscheidungsorganen (wenn man es nicht zu genau nimmt). |
Bild: Kiki Smith: Uro-Genital-System, Diptychon (männlich und weiblich),
1986, Bronze |