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Dies ist nur über Handfeuerwaffen-Geschosse.
Theorie - Ton / Lehm
Wenn ein schnellfliegendes Geschoß ein weiches, plastisch verformbares
Material durchschlägt (z.B. weichen Ton oder Lehm), so ist der
zurückbleibende Schußkanal im Durchmesser größer als das Geschoß. Die
Durchmesserdifferenz von Projektil und Schußkanal (Δ) wird im
Wesentlichen durch die Faktoren Geschoßgeschwindigkeit, Verformbarkeit des
Materials/Zähigkeit und Dichte des Materials (Eigenträgheit) bestimmt.
[Der Dichteunterschied und der Härte-Unterschied zwischen (hartem) Geschoß
und (weichem) Material spielt auch eine Rolle (Verformung des Geschosses),
wie auch die Form des Geschosses.]
Hervorgerufen wird die Erweiterung des Schußkanals durch die seitliche
Verdrängungsbeschleunigung, die das Geschoß verursacht.
Auf seinem Weg durch das Material (den plastisch verformbaren Körper) muß
das Geschoß Material radial zur Seite verdrängen, um seinen Weg fortsetzen
zu können. Die Materialmasse, die sich jeweils um die Spitze des sich
bewegenden Geschosses befindet, erfährt eine seitliche Beschleunigung
(sonst würde sie sich nicht bewegen). Die Eigenträgheit des Materials
bewirkt eine begrenzte Fortdauer dieser Bewegung, auch wenn das Geschoß
schon vorbei ist. Diese radiale Seitwärtsbewegung wird durch die Zähigkeit
des Materials — die dem Gegenkräfte entgegensetzt — gebremst und beendet
(Negativbeschleunigung, so daß die Masseteilchen wieder zum Stillstand
kommen).
Von der Spitze des Projektils ausgehend breitet sich eine Schockwelle aus,
in deren Folge der Schußkanal material-leer zurückbleibt (Kavitation).
Je höher die Geschwindigkeit des Geschosses, desto höher auch die seitliche
Beschleunigung. Je höher die Zähigkeit des Materials, desto größere
Gegenkräfte wirken dem entgegen. Je dichter das Material (Eigenmasse,
"Gewicht"), desto mehr Energie muß das Geschoß abgeben, um die Verdrängung
zu bewirken.
Die Geschoßform spielt auch eine Rolle. Ein stumpf- oder flach"köpfiges"
Geschoß bewirkt breitere Schußkanäle als ein spitzes, kegelförmiges (oder
"geschoßförmiges"). Das liegt daran, daß bei der Bewegung eines Stumpfen
Geschosses die Verdrängungsbeschleunigung des Umgebungsmaterials am
Vorderende des Geschosses sehr hoch ist.
Während das Geschoß z.B. nur einen Millimeter zurücklegt, muß das Material
sehr schnell zur Seite entweichen, und zwar um den Radius des Geschosses,
z.B. 3 mm.
Bei spitzen Geschossen ist die radiale Verdrängungsbeschleunigung bei
gleichem Geschoßradius deutlich geringer. Während das Geschoß sich 1 mm auf
seiner Bahn bewegt, muß das Material z.B. nur 0,8 mm zur Seite entweichen,
erfährt also eine weit geringere Beschleunigung als im Fall des stumpfen
Geschosses.
Die Energie des Geschosses ist im Wesentlichen seine kinetische Energie
(Bewegungsenergie). Durch die Verdrängung des Materials verliert das
Projektil Energie, die es an das Material abgibt (es "verrichtet Arbeit",
bewegt das Material), es wird also langsamer. Ist das Material sehr dicht
oder der Weg durch den Körper sehr lang, so bleibt es stecken.
Ein spitzes Projektil hat bei gleichem Material, Gewicht und Durchmesser
und bei gleicher Geschwindigkeit mehr Durchschlagskraft als ein stumpfes,
weil es weniger Energie an den beschossenen Körper abgibt und somit seine
Bewegungsenergie besser bewahrt. Das hat aber auch die Folge, daß die
Wirkung des Projektils auf den Körper geringer ist: der Schußkanal ist
schmäler, der Aufschlag ist geringer — der beschossene Körper erhält
weniger Energie vom Projektil und die Zerstörungswirkung ist geringer.
Das ist der Grund für die Verwendung von Flachkopf-, Teilmantel- oder gar
Hohlspitzgeschossen, meistens durch Polizei (und Jäger) und nicht durch
Militär. Das Geschoß muß (und soll) nicht viele Menschen oder Tiere
durchdringen, es soll aber auf den einen getroffenen Körper eine starke
Wirkung ausüben. Wenn das Geschoß steckenbleibt, hat es die größte Wirkung,
weil es seine gesamte Bewegungsenergie an en getroffenen Körper abgibt (der
"Schlag" ist stärker).
Das Militär verwendet harte Spitzgeschosse, weil da hohe Durchschlagskraft
gefordert ist, das Geschoß soll auch Deckungen und Panzerungen
(schußsichere Westen) des Gegners / Feindes durchdringen.
Fleisch-Und-Knochenkörper
Bei tierischen Körpern (für die Handfeuerwaffen ja hauptsächlich gemacht
sind) gibt es natürlich Unterschiede zum obigen Beispiel mit Ton oder Lehm.
Tierische Körper sind nicht plastisch verformbar und sie haben Knochen. Die
Knochen ignoriere ich hier.
Im Gegensatz zu den meisten plastisch verformbaren Materialien ist lebendes
Gewebe organisiert und hat eine Struktur - die Zellstruktur (Muskeln,
Organe, Haut, etc.). Die Zellen ihrerseits, die diese Struktur
konstituieren, haben auch eine eigene innere Struktur (unterschiedlich je
nach Gewebe). Das Gewebe-Material ist wässrig und elastisch.
Wenn nun ein schnellfliegendes Projektil (weiches) tierisches Gewebe
durchdringt, so hinterläßt die V-förmige Schockwelle (wie die von einem
Motorboot ausgehenden Wasseroberfächenwellen) kein offenes Loch wie bei
plastisch verformbarem Material; das Körpergewebe schließt sich hinterher
weitgehend wieder. Man kann durch einen angeschossenen Tierkörper nicht
durchgucken.
Aber die durch die weiter oben erläuterte Radialbeschleunigung ausgelöste
Schockwelle zerstört das Gewebe des Schußkanals. Die Gewebestruktur wird
zerfetzt, zerrüttet, die Zellen kollabieren.
Militärische Hochgeschwindigkeitsgeschosse, obwohl spitz und kleinkalibrig,
haben eine solch hohe Bewegungsenergie, daß der Schockwellenkegel hinter
dem Geschoß sich weit ausbreitet und trotz dünnem (kleiner Φ) Durchschußloch eine
breite (großer Φ)
Spur der Zerstörung im Gewebe hinterläßt.
Das strukturell zerstörte / beschädigte Gewebe stirbt und die Behandlung /
Heilung ist schwierig. Das ist einer der Gründe für die Gefährlichkeit der
Schußwunden, auch wenn der Schußkanal keine wichtigen Organe durchläuft und
keine direkte Gefährdung verursacht. Eine Menge totes Gewebe ist anfällig
für Infektionen und Fäulnis und ist vom Körper nur aufwendig wieder
herstellbar. |
Siehe auch ein Hirngespinst zu diesem Thema in einem parallelen Posting in
meinem anderen Blog: 'Undepranger |