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Ich bin Pirat
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03.02.2005/02:24 MEZ  |  Körperverletzungen
Schußwunden / Wirkung von kleinen Projektilen auf weiche Körper
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Dies ist nur über Handfeuerwaffen-Geschosse.

Theorie - Ton / Lehm
Wenn ein schnellfliegendes Geschoß ein weiches, plastisch verformbares Material durchschlägt (z.B. weichen Ton oder Lehm), so ist der zurückbleibende Schußkanal im Durchmesser größer als das Geschoß. Die Durchmesserdifferenz von Projektil und Schußkanal (Δ) wird im Wesentlichen durch die Faktoren Geschoßgeschwindigkeit, Verformbarkeit des Materials/Zähigkeit und Dichte des Materials (Eigenträgheit) bestimmt.
[Der Dichteunterschied und der Härte-Unterschied zwischen (hartem) Geschoß und (weichem) Material spielt auch eine Rolle (Verformung des Geschosses), wie auch die Form des Geschosses.]

Hervorgerufen wird die Erweiterung des Schußkanals durch die seitliche Verdrängungsbeschleunigung, die das Geschoß verursacht.
Auf seinem Weg durch das Material (den plastisch verformbaren Körper) muß das Geschoß Material radial zur Seite verdrängen, um seinen Weg fortsetzen zu können. Die Materialmasse, die sich jeweils um die Spitze des sich bewegenden Geschosses befindet, erfährt eine seitliche Beschleunigung (sonst würde sie sich nicht bewegen). Die Eigenträgheit des Materials bewirkt eine begrenzte Fortdauer dieser Bewegung, auch wenn das Geschoß schon vorbei ist. Diese radiale Seitwärtsbewegung wird durch die Zähigkeit des Materials — die dem Gegenkräfte entgegensetzt — gebremst und beendet (Negativbeschleunigung, so daß die Masseteilchen wieder zum Stillstand kommen).
Von der Spitze des Projektils ausgehend breitet sich eine Schockwelle aus, in deren Folge der Schußkanal material-leer zurückbleibt (Kavitation).

Je höher die Geschwindigkeit des Geschosses, desto höher auch die seitliche Beschleunigung. Je höher die Zähigkeit des Materials, desto größere Gegenkräfte wirken dem entgegen. Je dichter das Material (Eigenmasse, "Gewicht"), desto mehr Energie muß das Geschoß abgeben, um die Verdrängung zu bewirken.

Die Geschoßform spielt auch eine Rolle. Ein stumpf- oder flach"köpfiges" Geschoß bewirkt breitere Schußkanäle als ein spitzes, kegelförmiges (oder "geschoßförmiges"). Das liegt daran, daß bei der Bewegung eines Stumpfen Geschosses die Verdrängungsbeschleunigung des Umgebungsmaterials am Vorderende des Geschosses sehr hoch ist.
Während das Geschoß z.B. nur einen Millimeter zurücklegt, muß das Material sehr schnell zur Seite entweichen, und zwar um den Radius des Geschosses, z.B. 3 mm.
Bei spitzen Geschossen ist die radiale Verdrängungsbeschleunigung bei gleichem Geschoßradius deutlich geringer. Während das Geschoß sich 1 mm auf seiner Bahn bewegt, muß das Material z.B. nur 0,8 mm zur Seite entweichen, erfährt also eine weit geringere Beschleunigung als im Fall des stumpfen Geschosses.

Die Energie des Geschosses ist im Wesentlichen seine kinetische Energie (Bewegungsenergie). Durch die Verdrängung des Materials verliert das Projektil Energie, die es an das Material abgibt (es "verrichtet Arbeit", bewegt das Material), es wird also langsamer. Ist das Material sehr dicht oder der Weg durch den Körper sehr lang, so bleibt es stecken.
Ein spitzes Projektil hat bei gleichem Material, Gewicht und Durchmesser und bei gleicher Geschwindigkeit mehr Durchschlagskraft als ein stumpfes, weil es weniger Energie an den beschossenen Körper abgibt und somit seine Bewegungsenergie besser bewahrt. Das hat aber auch die Folge, daß die Wirkung des Projektils auf den Körper geringer ist: der Schußkanal ist schmäler, der Aufschlag ist geringer — der beschossene Körper erhält weniger Energie vom Projektil und die Zerstörungswirkung ist geringer.

Das ist der Grund für die Verwendung von Flachkopf-, Teilmantel- oder gar Hohlspitzgeschossen, meistens durch Polizei (und Jäger) und nicht durch Militär. Das Geschoß muß (und soll) nicht viele Menschen oder Tiere durchdringen, es soll aber auf den einen getroffenen Körper eine starke Wirkung ausüben. Wenn das Geschoß steckenbleibt, hat es die größte Wirkung, weil es seine gesamte Bewegungsenergie an en getroffenen Körper abgibt (der "Schlag" ist stärker).
Das Militär verwendet harte Spitzgeschosse, weil da hohe Durchschlagskraft gefordert ist, das Geschoß soll auch Deckungen und Panzerungen (schußsichere Westen) des Gegners / Feindes durchdringen.


Fleisch-Und-Knochenkörper
Bei tierischen Körpern (für die Handfeuerwaffen ja hauptsächlich gemacht sind) gibt es natürlich Unterschiede zum obigen Beispiel mit Ton oder Lehm. Tierische Körper sind nicht plastisch verformbar und sie haben Knochen. Die Knochen ignoriere ich hier.
Im Gegensatz zu den meisten plastisch verformbaren Materialien ist lebendes Gewebe organisiert und hat eine Struktur - die Zellstruktur (Muskeln, Organe, Haut, etc.). Die Zellen ihrerseits, die diese Struktur konstituieren, haben auch eine eigene innere Struktur (unterschiedlich je nach Gewebe). Das Gewebe-Material ist wässrig und elastisch.

Wenn nun ein schnellfliegendes Projektil (weiches) tierisches Gewebe durchdringt, so hinterläßt die V-förmige Schockwelle (wie die von einem Motorboot ausgehenden Wasseroberfächenwellen) kein offenes Loch wie bei plastisch verformbarem Material; das Körpergewebe schließt sich hinterher weitgehend wieder. Man kann durch einen angeschossenen Tierkörper nicht durchgucken.
Aber die durch die weiter oben erläuterte Radialbeschleunigung ausgelöste Schockwelle zerstört das Gewebe des Schußkanals. Die Gewebestruktur wird zerfetzt, zerrüttet, die Zellen kollabieren.

Militärische Hochgeschwindigkeitsgeschosse, obwohl spitz und kleinkalibrig, haben eine solch hohe Bewegungsenergie, daß der Schockwellenkegel hinter dem Geschoß sich weit ausbreitet und trotz dünnem (kleiner Φ) Durchschußloch eine breite (großer Φ) Spur der Zerstörung im Gewebe hinterläßt.

Das strukturell zerstörte / beschädigte Gewebe stirbt und die Behandlung / Heilung ist schwierig. Das ist einer der Gründe für die Gefährlichkeit der Schußwunden, auch wenn der Schußkanal keine wichtigen Organe durchläuft und keine direkte Gefährdung verursacht. Eine Menge totes Gewebe ist anfällig für Infektionen und Fäulnis und ist vom Körper nur aufwendig wieder herstellbar.

Siehe auch ein Hirngespinst zu diesem Thema in einem parallelen Posting in meinem anderen Blog: 'Undepranger

 

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