BILDERBEUTEL BLOGS  
herrlothar
Gewäsch über einbeinige Frauen und Phantasien von Fruchtfleisch

Ich bin Pirat
  page 1 of 1   |   entries 1 to 1 of 1
ASC   |   DESC

27.05.2005/00:50 MEZ  |  Leichen
Fronleichnam - Eucharistie - Kannibalismus
PERMALINK

Ich bin mir gar nicht sicher, ob der heutige (gerade vergangene) kirchliche, mancherorts gesetzliche Feiertag der katholische "Fronleichnam" ist, aber man hat mir so gesagt. Zu dieser Gelegenheit, ein Feiertag der Eucharistie, ist mir klargeworden, daß — wie es so blöd heißt — "praktizierende" Katholiken Kannibalen sind, da sie gelegentlich — man lese und staune — Fleisch eines toten Mannes essen und dazu noch dessen Blut trinken. Daß dieser Mensch nun schon etwa seit 2000 Jahren tot ist und vergöttert wird, ist weniger interessant, als das Relikt des kannibalischen und urtümlichen Brauchs, ein Stück vom Toten zu essen, in der Hoffnung, dadurch einen Teil seiner Eigenschaften zu erlangen. Ich habe gelesen, daß das vor ca. 20-30 Jahren noch auf Papua-Neuguinea und eingen kleineren Südseeinseln von "Naturvölkern" praktiziert wurde (auch "Praktizierende"). Das Gehirn angesehener Verstorbener wurde aufgegessen. Vor 2-3 Jahren sind im Congo auch noch Lebern getöteter Feinde verspeist worden, wie ein UNO-Bericht vermerkte.

Soviel ich weiß, bedeutet Eucharistie die Auffassung der katholischen Lehre, daß die Hostie und der Wein beim Heiligen Abendmahl (unter der Voraussetzung, daß bestimmte Wortfolgen ausgesprochen werden) nicht Christus' Leib und Blut symbolisieren (wie bei den Protestanten), sondern es tatsächlich sind. D.h., wenn die zeremoniellen Voraussetzungen gegeben sind und ein paar magische Worte gesprochen werden, verwandelt sich dieser flache Keks in das Fleisch von Jesus Christus und der Vino in sein Blut, während die oder der Gläubige sie in sich aufnehmen.
Das mag für Uneingeweihte absurd klingen, aber - bitte fragen sie Ihren Pfarrer (auch wenn er Protestant ist, wird er es wissen) - das ist die offizielle und gepredigte Lehre der katholischen Kirche. Nur um es klarzumachen, wiederhole ich: es handelt sich beim katholischen Heiligen Abendmahl nicht um einen symbolischen Verzehr der Leibes und des Blutes Christi, sondern tatsächlich um den Genuß von dessen Fleisch und von dessen Blut.

Da bleibt einem die Spucke weg, was?
Manchem läuft im Gegenteil vielleicht das Wasser im Munde zusammen.

Jedenfalls habe ich beschlossen, in nächster Zeit einmal eine katholische Kirche aufzusuchen und mir diesen Genuß zu Magen zu führen. Denn, wie Christus sinngemäß einmal gesagt haben soll, nur diejenigen, die von seinem Fleisch gegessen haben und von seinem Blut getrunken haben, haben Teil am Ewigen leben und werden am Jüngsten Tage durch ihn wiederauferstehen.

Ich bin jedenfalls höchst erstaunt und interessiert an diesem Phänomen, daß sich solcher primitivster Glaube (ich schätze, er ist an die 40.000 Jahre alt oder mehr) bis heute erhalten hat, und zwar nicht in einer isolierten Nische, sondern über die halbe Erde verbreitet. Immerhin ist es insofern nur noch ein Relikt, als ja nicht die Verstorbenen angeschnitten werden, sondern dieser eine gottgewordene Mann stellvertretend die Spenderfunktion übernimmt.

Dies ist ein Problem, das ich fürchte nie zu verstehen: wie es möglich ist (oder auf welche intellektuelle Weise das geschieht), daß heutzutage (oder auch vor 200 Jahren) intelligente und vernünftige Menschen so etwas wie diesen übertragenen Kannibalismus für bare Münze nehmen.

Wikipedia: Eucharistie

Zitat aus Wikipedia (26. Mai 2005):

"Nach katholischer Lehre sind bei der Eucharistie "Leib und Blut Christi wahrhaft, wesentlich und wirklich gegenwärtig" (Realpräsenz). Durch das vom Priester gesprochene eucharistische Hochgebet, speziell durch die Epiklese (Anrufung des Heiligen Geistes) und die Konsekrationsworte, vollzieht sich die geheimnisvolle Wesensverwandlung von Brot und Wein zum Leib und Blut Christi. Da Jesu Auftrag, Brot und Wein zu seinem Gedächtnis zu teilen, an die Apostel erging, kann die Konsekration nach katholischer Auffassung nur von geweihten Priestern gültig vollzogen werden, da nur diese Nachfolger der Apostel sind.

Ab dem 9. Jahrhundert wurde die Wandlung von Brot und Wein in Christi Leib und Blut immer gegenständlicher aufgefasst, unter zunehmendem Einfluss der Philosophie des Aristoteles. Diese Transsubstantiation wurde im 4. Laterankonzil 1215 zum Dogma erhoben. Seitdem haben sich innerhalb der katholischen Kirche zahlreiche Andachtsformen entwickelt, die der Verehrung des Leibes und Blutes Christi dienen -- Aussetzung (Ausstellung) von Hostien in Monstranzen, Fronleichnamsprozession etc. Berichte von Hostienwundern, etwa blutenden Hostien oder gar der Verwandlung einer Hostie in den Schmerzensmann während der Messe, unterstreichen das Dogma.

Für die katholische Kirche ist also in der konsekrierten Hostie Jesus real gegenwärtig und bleibt es auch nach der eigentlichen Opferfeier, weshalb die Hostien im Tabernakel verschlossen und auch als Repräsentation Jesu angebetet werden -- nicht nur verehrt wie die bildlichen Darstellungen von Jesus. Für die katholische Theologie besteht kein Widerspruch zwischen der Tatsache, dass es sich beim Brot und Wein der Eucharistie der Gestalt nach weiter um Brot und Wein handelt, und dem Glauben, dass die letzte, eigentliche Wirklichkeit des eucharistischen Brots und Weins der wirklich gegenwärtige Christus ist."

 

COMMENTS 

1 - posted by Allo | 2005.07.23 | 16:30

Zitat: Dies ist ein Problem, das ich fürchte nie zu verstehen: wie es möglich ist (oder auf welche intellektuelle Weise das geschieht), daß heutzutage (oder auch vor 200 Jahren) intelligente und vernünftige Menschen so etwas wie diesen übertragenen Kannibalismus für bare Münze nehmen. Ich frage mich, wie obige intelligente und vernünftige Menschen überhaupt noch an das Märchen von Gott glauben können? Und sich über die verschiedenen Nuancen dieses Märchens in den verschiedenen Auslegungen der Religonen derart in die Wolle geraten, daß es jede Menge Tote dabei gibt? Sarkasmus an: Ich glaube nicht an das Märchen von Jesus, sondern an Schneewittchen. Und wer behauptet, die habe kein schwarzes Haar gehabt, sondern brünettes, der ist ein Ketzer! Sarkasmus aus. Gruß Allo

2 - posted by herrlothar | 2005.08.19 | 18:09

Interessante Antwort, in der Tat. Wenn das Märchen ein Märchen ist, gibt es keine Fragen mehr. Aber es soll ja gerade nicht ein Märchen sein, daß der Wein tatsächlich und nicht nur bildlich Jesus' Blut sei.

3 - posted by allo | 2005.09.14 | 17:20

Wer's glaubt... herrlothar

add comment
StumbleUpon    Digg!      
 
 
 
 
<< May 2013 >>
Mon Tue Wed Thu Fri Sat Sun
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    
RSS 2.0

Visits since 2005.04.15
site statistics
Pagerank
Subscribe with Bloglines
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
RSS Verzeichnis
Other Language Blogs - BlogCatalog Blog Directory
Add to Technorati Favorites
Deutsches Blog Verzeichnis
 
Fruchtfleisch = flesh, pulp

Creative Commons License
Diese Texte sind unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.