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[Ich spreche hier jeweils prototypisch immer nur von zwei Beteiligten.
Außerdem berücksichtige ich hier lediglich Angriffe und Verteidigung ohne
Hilfsmittel (wie z.B. Stöcke) und Waffen.]
Körperliche Aggression kennt verschiedene Mittel um dem Gegner Schmerz
zuzufügen: schlagen auf vielfältigste Weise (häufigste Form), würgen,
drücken, Arme verdrehen, niederwerfen, zwicken, beißen, kratzen, u.a.
Das vordergründige Ziel ist meistens, körperlichen Schmerz zuzufügen und
stellt ein Mittel zum (oft unbewußten) Erreichen des Endziels dar: die
Unterwerfung des Anderen.
Körperliche Aggression erscheint in verschiedenen Formen und Graden:
"Alltags"form:
Jemandem einen Stoß oder Schlag versetzen: Ohrfeige, Stoß, Faustschlag. Ist
zwar in unserer Gesellschaft glücklicherweise nicht (mehr) alltäglich und
üblich, fällt aber dennoch unter die Kategorie "Alltag" und ist kein Kampf.
Es gibt unterschiedlich aggressive und unterschiedlich schmerzhafte
Ausprägungen, von leichtem (möglicherweise sogar freundschaftlichen) Knuff
bis hin zum Faustschlag, der schlimme körperliche Verletzungen und in
Extremfällen sogar ungewollt den Tod zur Folge haben kann. Geschieht
meistens "im Affekt" (d.h. unter emotionaler Erregung und mit einem hohen
Grad von Spontaneität). Nach dem körperlichen Angriff, oft eine aggressive
Entladung, gewinnen die sozialen Hemmungen, Schmerz zuzufügen, bzw. die
Selbstkontrolle, wieder überhand.
Prügel:
Wenn eine Person eine andere, unterlegene Person mehrfach schlägt oder ihr
auf andere Weise Schmerz zufügt. Es handelt sich um enthemmte Aggression
einer unterlegenen oder gar hilflosen Person gegenüber. Es handelt sich um
nur schwach gehemmte oder ungehemmte Aggression einer in dem Moment
unterlegenen Person gegenüber. Die Unterlegenheit drückt sich nur in der
Auslebung der Aggressivität aus und muß nicht absolut sein. Beispielsweise
wenn ein enthemmter Mensch seine Aggressivität einem körperlich
überlegenen, jedoch nicht aggressiven Menschen freien Lauf läßt
(aggressiver Zwerg schlägt friedlichen Riesen).
Schlägerei:
Wenn nach einer verbalen und/oder körpersprachlichen Eskalation eine Person
eine andere angreift und die angegriffene Person sich nicht nur verteidigt,
sondern auch zum Gegenagriff übergeht. Eine Schlägerei ist dies zu nennen,
wenn es sich um zwei im Kampf weitgehend ungeübte oder untrainierte
Menschen handelt, d.h. wenn es sich um eine unroutinierte Auseinandersetung
handelt, die zwar ernst ist, jedoch nicht mit dem Ziel, den Gegner schwer
zu verletzen. Ziel einer Prügelei ist meistens, die eigene Überlegenheit
(in animalischem Sinne) zu demonstrieren, indem der Gegner durch Niederlage
gedemütigt wird - eine primitive, sehr archaische Form.
Kampf:
Wenn es sich um eine sehr ernste körperliche "Auseinandersetzung" unter
vollem Einsatz aller Kräfte und Fähigkeiten handelt (beispielsweise wenn
der/die Angegriffene sich berechtigterweise in Gefahr wähnt), oder wenn
beide Gegner kampferfahren sind und die eingesetzten Mittel somit erlernt,
erprobt und trainiert sind. Voraussetzung dafür, von Kampf zu sprechen ist
außerdem, daß die Fähigkeiten der beiden Gegner anzugreifen und sich zu
verteidigen annähernd gleich sind, oder daß der/die Unterlegene zumindest
eine Zeitlang paroli bieten kann.
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Außer beim einvernehmlichen Kampf gibt es immer einen Aggressor und einen
Angegriffenen.
Ziel des Angreifers ist immer der Sieg, die Demonstration der eigenen
Überlegenheit, bzw. die Erniedrigung des Gegners.
Ziel des Angegriffenen (sofern er willens und in der Lage ist sich zu
verteidigen, und dies auch tut) ist erstens vordergründig die Vermeidung
von Schmerz, und zweitens die eigene Behauptung und die Verhinderung einer
Demütigung. In manchen Fällen kann das Ziel des Angegriffenen sich auch
umkehrehren und sich mit dem ziel des Angreifers decken, nämlich wenn der
Angegriffene sich körperlich (bzw. was die Fähigkeiten zum Kampf betrifft)
überlegen fühlt und nun seinerseits den Angreifer demütigen will.
Aggressive Handlungen (auch nichtkörperliche) oder Kämpfe haben immer eine
gewisse hierarchische Bedeutung (jenseits konkreter Ziele, sollten welche
existieren). Jenseits eventueller gesellschgaftlicher Ächtung ist es für
die Betroffenen momentan dennoch immer so, daß der Unterlegene sich
gedemütigt, herabgesetzt, und der Überlegene sich dominant fühlt (was aber
u.U. durch Schuldgefühle überlagert sein kann).
Das ist ein animalisches Relikt in uns, das sehr tiefe Wurzeln hat. Es kann
kulturell abgeschwächt oder ritualisiert sein, tritt gefühlsmäßig jedoch
unwillkürlich auf.
Praktisch gesehen, ist das Ziel des Aggressors, dem Gegner die eigene
(körperliche) Überlegenheit zu demonstrieren und dadurch einen höheren Rang
einzunehmen. Nach einer Niederlage des Gegners wäre dessen Bereitschaft
erhöht, sich zumindest für den Augenblick dem Willen des Siegers zu
unterwerfen. So kann beispielsweise körperliche Aggression dazu eingesetzt
werden, einen anderen Menschen zu etwas zu zwingen, wozu er sonst nicht
bereit wäre. [Es gibt den Ausdruck: "jemanden unter Androhung von Gewalt zu
etwas zwingen" - hier genügt schon die Androhung der körperlichen
Aggression].
Angriffe mit dem Ziel der Demütigung oder Unterwerfung
Körperliche Angriffe ohne Waffen oder Hilfsmittel sind in der Regel
weitgehend ungefährlich und verfolgen keine schwerwiegenden Verletzungen
oder den Tod des Gegners. Falls einer der beiden Kontrahenten (egal ob es
sich um einseitige Aggression oder um eine Prügelei handelt) eindeutig
unterlegen ist und sobald er offensichtlich "besiegt" ist, hört der Angriff
gewöhnlich auf. In dem Falle, in dem der Unterlegene zäh, bzw. stolz ist,
kann die Unterwerfungsphase später auftreten, und dann können die
Verletzungen schwerer ausfallen, z.B. Kopfverletzungen. Trotzdem handelt es
sich meistens nicht um gefährliche Verletzungen.
Außer in seltenen Fällen verfolgen Angriffe nicht die Zerstörung des
Gegners, sondern lediglich dessen Demütigung. Ist das erreicht, läßt der
Angreifer gewöhnlich ab.
Es gibt aber natürlich auch Fälle, in denen der Angreifer das bereits
wehrlose Opfer seines Angriffs völlig enthemmt weiter traktiert, so daß es
zu gefährlichen Verletzungen oder zum Tod kommen kann. Gerade die
Hilflosigkeit des Opfers kann rauschhaftes Ausleben der eigenen
körperlichen Macht auslösen. Dann handelt es sich aber bereits um äußerst
schwerwiegende Störungen des Sozialverhaltens.
Angriffe mit dem Ziel, schwer zu verletzen oder zu töten
Kampfsport
Unter "Kampfsport" fällt beispielsweise das sportliche Boxen, oder das
Ringen (griechischen Ursprungs). Manchmal werden auch ostasiatische
Kampfkunstarten als Kampfsport betrieben, wobei es sich dann aber um
abgespeckte und im Repertoire stark eingeschränkte Formen handelt.
Kampfkunst
Von Kampfkunst (und nicht Kampf"sport") spricht man nur im Falle der
ostasiatischen Kampfdisziplinen, wie Chuan-Fa (Kung-Fu), Jiu-Jitsu,
Karate-Do, Taekwan-Do usw.
Diese Disziplinen (oder Kampfsysteme) existieren in verschiedenen
Stilrichtungen und Ausprägungen / Dialekten ("Schulen"). Im Vergleich zu
den sportlichen Kampfdisziplinen verfügen sie über ein überwältigend
reiches Repertoire an Methoden und Techniken, den Gegner mit körpereigenen
Mitteln körperlich zu besiegen oder zu töten. Es handelt sich um die am
höchstentwickeltsten waffenlosen Kampfarten oder Kampfdisziplinen. Das
Repertoire an Techniken und Kombinationen ist überwältigend umfangreich.
Manche Techniken (in einigen dieser Disziplinen) zielen auf die völlige
Vernichtung des Gegners (Tod oder schwerste Verletzungen) ab und können
dies binnen Sekundenbruchteilen erreichen.
Aus diesem Grund und wegen der Effektivität der meisten Techniken (auch
wenn es sich "nur" um die Zufügung von Schmerz handelt) werden diese
Kampfkünste extrem kontrolliert ausgeübt. Anders als beim Kampfsport
werden alle schmerzhaften (und natürlich die gefährlichen) Techniken nicht
vollständig ausgeführt, sondern gestoppt, ehe sie den Gegner verletzen oder
ihm Schmerz zufügen. Andernfalls wären Übungskämpfe gar nicht möglich.
Die ethische Komponente (Höflichkeit, Respekt und Schutz des Gegners vor
Verletzungen) ist in den Kampfkünsten fester Bestandteil der Praxis.
Kampfkünste werden jenseits ihrer praktischen Anwendbarkeit zur
Selbstverteidigung im Idealfall zur Vervollkommnung der Persönlichkeit
praktiziert (vollkommene körperliche und geistige Behrrschung der eigenen
Kräfte).
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Von den hier aufgezählten waffenlosen Kampfformen sind die "alltäglichen" —
nämlich diejenigen, die nicht als Disziplinen praktiziert werden —
weitgehend gesellschaftlich geächtet (in allen intakten Gesellschaften).
Die Kampfsportarten und Kampfkünste unterliegen strengen Regeln und kommen
im gesellschaftlichen Alltag nicht vor. |
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