BILDERBEUTEL BLOGS  
herrlothar
Gewäsch über einbeinige Frauen und Phantasien von Fruchtfleisch

Ich bin Pirat
  page 1 of 1   |   entries 1 to 1 of 1
ASC   |   DESC

27.06.2007/02:53 MEZ  |  Krieg, Kampf
Sich schlagen / Kampf mit körpereigenen Mitteln
PERMALINK

[Ich spreche hier jeweils prototypisch immer nur von zwei Beteiligten. Außerdem berücksichtige ich hier lediglich Angriffe und Verteidigung ohne Hilfsmittel (wie z.B. Stöcke) und Waffen.]

Körperliche Aggression kennt verschiedene Mittel um dem Gegner Schmerz zuzufügen: schlagen auf vielfältigste Weise (häufigste Form), würgen, drücken, Arme verdrehen, niederwerfen, zwicken, beißen, kratzen, u.a.
Das vordergründige Ziel ist meistens, körperlichen Schmerz zuzufügen und stellt ein Mittel zum (oft unbewußten) Erreichen des Endziels dar: die Unterwerfung des Anderen.

Körperliche Aggression erscheint in verschiedenen Formen und Graden:

"Alltags"form:
Jemandem einen Stoß oder Schlag versetzen: Ohrfeige, Stoß, Faustschlag. Ist zwar in unserer Gesellschaft glücklicherweise nicht (mehr) alltäglich und üblich, fällt aber dennoch unter die Kategorie "Alltag" und ist kein Kampf. Es gibt unterschiedlich aggressive und unterschiedlich schmerzhafte Ausprägungen, von leichtem (möglicherweise sogar freundschaftlichen) Knuff bis hin zum Faustschlag, der schlimme körperliche Verletzungen und in Extremfällen sogar ungewollt den Tod zur Folge haben kann. Geschieht meistens "im Affekt" (d.h. unter emotionaler Erregung und mit einem hohen Grad von Spontaneität). Nach dem körperlichen Angriff, oft eine aggressive Entladung, gewinnen die sozialen Hemmungen, Schmerz zuzufügen, bzw. die Selbstkontrolle, wieder überhand.

Prügel:
Wenn eine Person eine andere, unterlegene Person mehrfach schlägt oder ihr auf andere Weise Schmerz zufügt. Es handelt sich um enthemmte Aggression einer unterlegenen oder gar hilflosen Person gegenüber. Es handelt sich um nur schwach gehemmte oder ungehemmte Aggression einer in dem Moment unterlegenen Person gegenüber. Die Unterlegenheit drückt sich nur in der Auslebung der Aggressivität aus und muß nicht absolut sein. Beispielsweise wenn ein enthemmter Mensch seine Aggressivität einem körperlich überlegenen, jedoch nicht aggressiven Menschen freien Lauf läßt (aggressiver Zwerg schlägt friedlichen Riesen).

Schlägerei:
Wenn nach einer verbalen und/oder körpersprachlichen Eskalation eine Person eine andere angreift und die angegriffene Person sich nicht nur verteidigt, sondern auch zum Gegenagriff übergeht. Eine Schlägerei ist dies zu nennen, wenn es sich um zwei im Kampf weitgehend ungeübte oder untrainierte Menschen handelt, d.h. wenn es sich um eine unroutinierte Auseinandersetung handelt, die zwar ernst ist, jedoch nicht mit dem Ziel, den Gegner schwer zu verletzen. Ziel einer Prügelei ist meistens, die eigene Überlegenheit (in animalischem Sinne) zu demonstrieren, indem der Gegner durch Niederlage gedemütigt wird - eine primitive, sehr archaische Form.

Kampf:
Wenn es sich um eine sehr ernste körperliche "Auseinandersetzung" unter vollem Einsatz aller Kräfte und Fähigkeiten handelt (beispielsweise wenn der/die Angegriffene sich berechtigterweise in Gefahr wähnt), oder wenn beide Gegner kampferfahren sind und die eingesetzten Mittel somit erlernt, erprobt und trainiert sind. Voraussetzung dafür, von Kampf zu sprechen ist außerdem, daß die Fähigkeiten der beiden Gegner anzugreifen und sich zu verteidigen annähernd gleich sind, oder daß der/die Unterlegene zumindest eine Zeitlang paroli bieten kann.

--

Außer beim einvernehmlichen Kampf gibt es immer einen Aggressor und einen Angegriffenen.

Ziel des Angreifers ist immer der Sieg, die Demonstration der eigenen Überlegenheit, bzw. die Erniedrigung des Gegners.

Ziel des Angegriffenen (sofern er willens und in der Lage ist sich zu verteidigen, und dies auch tut) ist erstens vordergründig die Vermeidung von Schmerz, und zweitens die eigene Behauptung und die Verhinderung einer Demütigung. In manchen Fällen kann das Ziel des Angegriffenen sich auch umkehrehren und sich mit dem ziel des Angreifers decken, nämlich wenn der Angegriffene sich körperlich (bzw. was die Fähigkeiten zum Kampf betrifft) überlegen fühlt und nun seinerseits den Angreifer demütigen will.

Aggressive Handlungen (auch nichtkörperliche) oder Kämpfe haben immer eine gewisse hierarchische Bedeutung (jenseits konkreter Ziele, sollten welche existieren). Jenseits eventueller gesellschgaftlicher Ächtung ist es für die Betroffenen momentan dennoch immer so, daß der Unterlegene sich gedemütigt, herabgesetzt, und der Überlegene sich dominant fühlt (was aber u.U. durch Schuldgefühle überlagert sein kann).
Das ist ein animalisches Relikt in uns, das sehr tiefe Wurzeln hat. Es kann kulturell abgeschwächt oder ritualisiert sein, tritt gefühlsmäßig jedoch unwillkürlich auf.

Praktisch gesehen, ist das Ziel des Aggressors, dem Gegner die eigene (körperliche) Überlegenheit zu demonstrieren und dadurch einen höheren Rang einzunehmen. Nach einer Niederlage des Gegners wäre dessen Bereitschaft erhöht, sich zumindest für den Augenblick dem Willen des Siegers zu unterwerfen. So kann beispielsweise körperliche Aggression dazu eingesetzt werden, einen anderen Menschen zu etwas zu zwingen, wozu er sonst nicht bereit wäre. [Es gibt den Ausdruck: "jemanden unter Androhung von Gewalt zu etwas zwingen" - hier genügt schon die Androhung der körperlichen Aggression].


Angriffe mit dem Ziel der Demütigung oder Unterwerfung
Körperliche Angriffe ohne Waffen oder Hilfsmittel sind in der Regel weitgehend ungefährlich und verfolgen keine schwerwiegenden Verletzungen oder den Tod des Gegners. Falls einer der beiden Kontrahenten (egal ob es sich um einseitige Aggression oder um eine Prügelei handelt) eindeutig unterlegen ist und sobald er offensichtlich "besiegt" ist, hört der Angriff gewöhnlich auf. In dem Falle, in dem der Unterlegene zäh, bzw. stolz ist, kann die Unterwerfungsphase später auftreten, und dann können die Verletzungen schwerer ausfallen, z.B. Kopfverletzungen. Trotzdem handelt es sich meistens nicht um gefährliche Verletzungen.

Außer in seltenen Fällen verfolgen Angriffe nicht die Zerstörung des Gegners, sondern lediglich dessen Demütigung. Ist das erreicht, läßt der Angreifer gewöhnlich ab.
Es gibt aber natürlich auch Fälle, in denen der Angreifer das bereits wehrlose Opfer seines Angriffs völlig enthemmt weiter traktiert, so daß es zu gefährlichen Verletzungen oder zum Tod kommen kann. Gerade die Hilflosigkeit des Opfers kann rauschhaftes Ausleben der eigenen körperlichen Macht auslösen. Dann handelt es sich aber bereits um äußerst schwerwiegende Störungen des Sozialverhaltens.


Angriffe mit dem Ziel, schwer zu verletzen oder zu töten


Kampfsport
Unter "Kampfsport" fällt beispielsweise das sportliche Boxen, oder das Ringen (griechischen Ursprungs). Manchmal werden auch ostasiatische Kampfkunstarten als Kampfsport betrieben, wobei es sich dann aber um abgespeckte und im Repertoire stark eingeschränkte Formen handelt.


Kampfkunst
Von Kampfkunst (und nicht Kampf"sport") spricht man nur im Falle der ostasiatischen Kampfdisziplinen, wie Chuan-Fa (Kung-Fu), Jiu-Jitsu, Karate-Do, Taekwan-Do usw.
Diese Disziplinen (oder Kampfsysteme) existieren in verschiedenen Stilrichtungen und Ausprägungen / Dialekten ("Schulen"). Im Vergleich zu den sportlichen Kampfdisziplinen verfügen sie über ein überwältigend reiches Repertoire an Methoden und Techniken, den Gegner mit körpereigenen Mitteln körperlich zu besiegen oder zu töten. Es handelt sich um die am höchstentwickeltsten waffenlosen Kampfarten oder Kampfdisziplinen. Das Repertoire an Techniken und Kombinationen ist überwältigend umfangreich. Manche Techniken (in einigen dieser Disziplinen) zielen auf die völlige Vernichtung des Gegners (Tod oder schwerste Verletzungen) ab und können dies binnen Sekundenbruchteilen erreichen.
Aus diesem Grund und wegen der Effektivität der meisten Techniken (auch wenn es sich "nur" um die Zufügung von Schmerz handelt) werden diese Kampfkünste extrem kontrolliert ausgeübt. Anders als beim Kampfsport werden alle schmerzhaften (und natürlich die gefährlichen) Techniken nicht vollständig ausgeführt, sondern gestoppt, ehe sie den Gegner verletzen oder ihm Schmerz zufügen. Andernfalls wären Übungskämpfe gar nicht möglich.
Die ethische Komponente (Höflichkeit, Respekt und Schutz des Gegners vor Verletzungen) ist in den Kampfkünsten fester Bestandteil der Praxis.

Kampfkünste werden jenseits ihrer praktischen Anwendbarkeit zur Selbstverteidigung im Idealfall zur Vervollkommnung der Persönlichkeit praktiziert (vollkommene körperliche und geistige Behrrschung der eigenen Kräfte).

--

Von den hier aufgezählten waffenlosen Kampfformen sind die "alltäglichen" — nämlich diejenigen, die nicht als Disziplinen praktiziert werden — weitgehend gesellschaftlich geächtet (in allen intakten Gesellschaften). Die Kampfsportarten und Kampfkünste unterliegen strengen Regeln und kommen im gesellschaftlichen Alltag nicht vor.

 

add comment
StumbleUpon    Digg!      
 
 
 
 
<< May 2013 >>
Mon Tue Wed Thu Fri Sat Sun
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    
RSS 2.0

Visits since 2005.04.15
site statistics
Pagerank
Subscribe with Bloglines
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen
RSS Verzeichnis
Other Language Blogs - BlogCatalog Blog Directory
Add to Technorati Favorites
Deutsches Blog Verzeichnis
 
Fruchtfleisch = flesh, pulp

Creative Commons License
Diese Texte sind unter einer Creative Commons-Lizenz lizenziert.