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03.03.2008/19:06 MEZ | Menschengruppen Loyalität und Gerechtigkeit / die richtige Entscheidung
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Eine Person hat mir berichtet, daß sie oder
er eine "unrechte" Tat verübt habe. Ich werde als Zeuge vernommen. Soll ich
die Wahrheit sagen, oder meinen Freund schützen?
Die "richtige Entscheidung" [dazu weiter unten mehr] hängt wohl von
folgenden Faktoren ab:
A: Wie gravierend die "unrechte" Tat war. Zum Beispiel: eine Unwahrheit;
ein kleiner Diebstahl; jemandem eine Ohrfeige versetzt; ein kleines Tier
getötet; ein großes Tier getötet; jemanden körperlich mißhandelt; jemanden
in große Gefahr gebracht; jemanden gefoltert; jemanden getötet; mehrere
Menschen getötet; viele Menschen getötet.
B: Wie rechtmäßig das "Tribunal", beziehungsweise die untersuchende und
gegebenenfalls verurteilende Instanz ist.
C: Ob ich Teil der Gemeinschaft bin, die die untersuchende und
gegebenenfalls verurteilende Instanz eingesetzt oder autorisiert hat, oder
nicht.
D: In welcher persönlichen Beziehung ich zu der Person stehe, die die Tat
verübt hat. Handelt es sich um einen völlig Fremden, um einen entfernten
Bekannten, einen Freund, einen Verwandten, einen sehr guten Freund, die
Mutter, das eigene Kind?
E: Welche Reaktion der verurteilenden Instanz (oder der Gemeinschaft),
beziehungsweise welche Bestrafung zu erwarten ist. Ist die zu erwartende
Reaktion einigermaßen im Einklang mit meinem diesbezüglichen
Rechtsempfinden?
F: Wie die Folgen für die betreffende Person voraussichtlich sein werden.
Werden sie leicht zu ertragen sein, werden die Folgen schwer sein, wird die
Strafe fatal sein?
G: Was werden die Folgen oder Gefahren für mich sein, falls ich die
betreffende Person schütze und gegebenenfalls falsch aussage?
H: Was dabei für mich herausspringt (was für Vor- und Nachteile mir
erwachsen), je nachdem, ob ich die betreffende Person schütze oder
preisgebe. Zu berücksichtigen sind
1. wie ich mich hinterher auf lange Sicht fühlen werde (Identität,
Charakter);
2. wie meine weitere Beziehung zur betreffenden Person aussehen wird
(Feindschaft, Freundschaft, Enttäuschung, Dankbarkeit, Gleichgültigkeit,
etc.);
3. wie meine Antwort meine Position in der Gemeinschaft beeinflussen wird,
falls ich Teil dieser Gemeinschaft bin.
Und wahrscheinlich noch weitere Aspekte, je nach Fall und Situation.
Was aber bedeutet "die richtige Entscheidung"?
Die meinem Rechtsempfinden folgt? Die dem in diesem Kontext hier und jetzt
geltenden Gesetz folgt? Die mir die meisten Vorteile bringt? Die einen
optimalen Kompromiß zwischen den verschiedenen Aspekten sucht?
Es ist unmöglich, anhand so eines hypothetischen Falles, der zudem noch
allgemein und unspezifisch dargelegt wird, eine allgemeingültige Antwort
über die "richtige Entscheidung" zu treffen. Je nach den oben aufgezählten
Aspekten wird es in unterschiedlichen Einzelfällen sehr unterschiedliche
Antworten geben.
Allgemein kann man jedoch sagen — und das ist sehr wichtig; sehr wichtig
für jeden Menschen, das für sich zu verstehen — daß die richtige
Entscheidung eine ist, mit der dieser Mensch weiterhin mit Selbstachtung
leben kann. Der Verlust der Selbstachtung und somit eine
selbstzerstörerische Wirkung auf die eigene Person und das eigene Leben
kann die Folge einer großen falschen Entscheidung, oder die Folge vieler
kleiner falscher Entscheidungen sein. In diesem Zusammenhang betrachtet,
ist die jeweilige Entscheidung gleichzeitig Ausdruck des Charakters wie
auch charakterbildend. Die je nach Fall und Zusammenhang richtige
Entscheidung zu treffen trägt zu einem guten, starken Charakter und der
Qualität des zukünftigen eigenen Lebens bei. Die richtige Entscheidung in
so einem Fall ist somit ein Baustein des eigenen Selbst. Und
interessanterweise ist die richtige Entscheidung nebenbei auch ein Baustein
für eine "gute" Gemeinschaft. |
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06.12.2005/01:15 MEZ | Menschengruppen Rasse, Volk, Stamm, Gruppe, Sippe, Familie
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Rechnerisch, und unter Berücksichtigung historischer Fakten
(Völkerwanderung, etc.) gesehen, lebte der (imaginierte) letzte gemeinsame
Vorfahr aller heutigen Menschen vor etwa 2300 Jahren — um es wie im
gelinkten Artikel aus wissenschaft.de anekdotisch auszudrücken, war
er also ein Zeitgenosse des Aristoteles.
Und "Jeder Mensch, der vor 5000 Jahren lebte, hat entweder überhaupt
keine noch lebenden Nachkommen oder ist ein gemeinsamer Vorfahr aller heute
lebenden Menschen."
Die Grundrechnung ist so: Jeder Mensch hat 2 Eltern, 4 Großeltern, 8
Urgroßeltern, 16 Urgroßeltern, 32 Ur-Urgroßeltern, 64 Ur-Ur-Urgroßeltern,
128 Ur-Ur-Ur-Urgroßeltern, 256 Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßeltern, 512
Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßeltern, 1024 Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßeltern, usw. —
und das sind erst zehn Generationen. 33 Generationen sind ungefähr 1000
Jahre (wenn man 30 Jahre als durchschnittliche Generationsdauer ansieht).
Rechnerisch gesehen hat also jeder heutige Mensch vor circa eintausend
Jahren 8.589.934.592 (8,6 Milliarden) Vorfahren, die alle daran beteiligt
waren, daß es ihn heute gibt. Das sind mehr Menschen als jetzt leben.
In 2300 Jahren wären das ca. 120.218.074.457.094.397.741.337 Vorfahren.
Aber natürlich stimmen viele Vorfahren überein, d.h. nicht jeder hat andere
Vorfahren, sondern je weiter man zurückgeht, desto mehr sind es gemeinsame
Vorfahren.
Die Sache ist natürlich nicht so einfach, weil geographische Trennung im
Laufe dieser Zeit und überregionale menschliche Kontakte (sexueller Art)
berücksichtigt werden müssen (Reisende, Aus/Einwanderer). Im Falle
Australiens und Ozeaniens scheint dies keinen Widerspruch zu ergeben, wie
in den aufgeführten Zitaten ersichtlich (wenn die einigermaßen verläßlich
sind). Im Falle Amerikas erscheint dies problematischer. Haben vor ca. 5000
bis 2300 Jahren Kontakte zwischen Amerikanern und Asiaten, Europäern oder
Afrikanern bestanden (auch indirekte natürlich)?
---
Genetische und anthropologische Untersuchungen
Genetischen Untersuchungen zufolge lebte vor etwa 200.000 Jahren eine
"Mitochondrien-Eva" – die Frau, von deren Genen alle heute lebenden
Menschen abstammen.
Das Rechenmodell mit den Generationen muß von diesen genetischen
Ergebnissen unterschieden werden, weil gemäß der Mendelschen
Vererbungsgesetze bereits in der sechsten Generation der Ahnenreihe eines
Menschen mindestens eine Person existiert, die keine genetischen
Gemeinsamkeiten mit ihrem Nachkommen aufweist. (aus dem Artikel in
wissenschaft.de)
Die Art, der wir angehören, ist homo sapiens sapiens. Diese Art ist
aus der Art homo sapiens presapiens (archaischer Homo Sapiens) und
dieser wiederum aus dem homo erectus hervorgegangen. Es gab noch
einige "Versuche", wie den homo heidelbergensis und den homo
neanderthalensis, die jedoch "gescheitert" sind, also ausgestorben.
Der Homo Erectus war die erste Art der Gattung homo, die sich aus
Afrika über den größten Teil der Erde ausgebreitet hat (vor etwa 800.000 -
500.000 Jahren, also etwa 300.000 Jahre lang).
[Out-of-Africa-Theorie] Der moderne Mensch hat sich ebenfalls aus Afrika
über die gesamte Erde ausgebreitet, vor etwa 100.000 Jahren beginnend — die
Dauer ist ungewiß (siehe Auszüge aus Wikipedia zur Besiedlung Amerikas und
Australiens).
Sehr wichtig in diesem Zusammenhang sind folgende Tatsachen:
1. jede neue Art der Gattung homo ist aus jeweils sehr wenigen
Individuen erwachsen. Alle zeitgenössischen Menschen
stammen von einer Handvoll Individuen ab, sozusagen den Adams/Evas unserer
Art. (Siehe "Mitochondrien-Eva")
2. (nicht sicher) Nur eine kleine Gruppe von mehreren hundert Individuen
hat Afrika verlassen. Alle heutigen Menschen stammen
von dieser Gruppe ab *. Deren Nachkommen haben sich im Laufe der
Jahrtausende zunächst an den Küsten Vorderasiens und Südasiens
ausgebreitet. Die Besiedlung Europas, Australiens und Amerikas erfolgte von
Asien aus. Die Auswanderung dieser kleinen Gruppe erfolgte vor etwa 100.000
oder 90.000 Jahren, also vor gar nicht besonders langer Zeit.
Wir sind also jedenfalls miteinander verwandt, und zwar ziemlich eng
verwandt; anders als es augenscheinlich erscheinen mag, wenn man an
Menschen"rassen" denkt. In diesem Zusammenhang ist aber auch sehr
interessant, daß es bereits innerhalb weniger Generationen deutliche
genetische Unterschiede innerhalb der selbstverständlich überwiegenden
Gemeinsamkeiten geben kann / gibt.
Das heißt einerseits, daß rassische Vorurteile grundlos sind. Innerhalb
relativ weniger Generationen entstehen keine grundlegenden rassischen
Unterschiede. Andererseits heißt es aber auch, daß weniger grundlegende
genetische Unterschiede sehr schnell, also innerhalb viel weniger
(vielleicht 9-12) Generationen entstehen.
Unter diesen Voraussetzungen betrachtet, erscheinen die "rassischen"
Unterschiede der Menschen in den verschiedenen Weltgegenden, aber auch die
reiche kulturelle Vielfalt sehr interessant.
Es zeigt, wie schnell regional voneinander abgegrenzte Menschengruppen oder
Völker eigene Merkmale entwickeln. Je isolierter eine Gruppe, desto stärker
die Abweichungen von den sie umgebenden Gruppen.
Da Menschen sich hierarchisch, beginnend von kleinsten Gruppen (Familien,
Sippen, Stämmen) bis hin zu großen Gruppen (durch räumliche Nähe und
implizit Beziehungen) wie Völkern und "Rassen" organisieren, ist das ganze
menschliche kulturelle Gefüge ein wunderbar komplexes, durch graduelle
Ähnlichkeiten und Unterschiede gekennzeichnet.
Wäre die Erde größer (die dann auch größere Gravitation ignoriere ich mal),
und/oder hätte die Entwicklung der Kommunikations- und der
Fortbewegungsmöglichkeiten der letzten 3000 Jahre länger auf sich warten
lassen, so wäre es vielleicht irgendwann zu einer weiteren Differenzierung
und tatsächlicher Artenabspaltung gekommen.
So wie die Dinge sich aber entwickelt haben, erleben wir gerade das
Gegenteil: eine Rückbildung zu der einen Menschenart, zu einer einzigen
Kultur (mit regionalen Ausprägungen). Statt eines Verlustes von
Individualität und kultureller Autonomie jeder Sippe, jedes Stammes und
jedes Volkes) könnte man das auch als eine Rückbesinnung auf die
Gemeinsamkeiten auffassen und eine teilweise Wiederherstellung des
ursprünglichen Zusammengehörigkeitsgefühls der ersten Gruppe von ein paar
hundert ersten modernen Menschen. |
Why Race Isn't as 'Black' and 'White' as We Think
wissenschaft.de: Adam war ein Zeitgenosse von Aristoteles
Wikipedia: Lapita
Wikipedia: Australien
Wikipedia: Besiedlung Amerikas
--- Aus Wikipedia, Besiedlung Amerikas:
"(...) Gemäss heutigem Forschungsstand wanderten die amerikanischen
Ureinwohner in einem Zeitraum von 28.000 v. Chr. bis 9.000 v. Chr. in
mehreren Wellen ein.
Genetische Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Mensch den
amerikanischen Kontinent frühestens vor 18.000 Jahren erreicht hat. Damit
würden frühere Schätzungen bestätigt, die von einer Besiedlung zum Ende der
Eiszeit vor 13.000 Jahren ausgingen. Für ihre Abschätzung hatten die
Forscher bestimmte Regionen des Y-Chromosoms bei der heutigen
amerikanischen Urbevölkerung untersucht. Hier entdeckten sie eine Mutation,
die auch heutige Asiaten tragen und vermutlich vor 18.000 Jahren im
menschlichen Erbgut auftrat. Die Trennung zwischen Asiaten und Amerikanern
müsste demnach später erfolgt sein.
Ins Wanken geraten die bisherigen Theorien jedoch aufgrund neuer Funde in
Mexiko. Wissenschaftler haben nahe der Stadt Puebla Fußabdrücke
ausgegraben, die gemäss ersten Einschätzungen 40.000 Jahre alt sein
könnten. Sollte sich diese Annahme bestätigen, würde dies die Sicht auf die
Besiedlungsgeschichte Amerikas revolutionieren und die Hypothese stärken,
dass die Besiedlung anders als bisher angenommen vielleicht doch über den
Seeweg, beispielsweise von Australien oder Polynesien her, stattgefunden
haben könnte.
(...)"
---
Aus Wikipedia, Australien:
"(...) Wann die Besiedlung Australiens durch Menschen begann, ist bis heute
umstritten. Spuren davon werden auf bis zu 120.000 Jahre zurück datiert.
Die Aborigines leben seit mindestens 50.000 bis 60.000 Jahren auf dem
Kontinent und gehören damit zu den ältesten Kulturen der Welt.
Trotz der isolierten Lage des Kontinents standen die Aborigines in Kontakt
zu anderen Kulturen. Bis zur Überflutung der Landbrücke zu Neuguinea vor
ungefähr 6.000 Jahren bestand ein fast ungehinderter kultureller Austausch
zwischen Neuguinea und dem Norden Australiens. Nachdem die neu entstandenen
Inseln der Torres Strait vor etwa 1.000 Jahren durch melanesische Seefahrer
besiedelt wurden, kam es erneut zu Interaktionen mit Bewohnern des
nördlichen Australien. Auch chinesische und indische Händler sowie
indonesische Fischer besuchten vermutlich die australischen Küsten seit
mehreren Jahrhunderten. Der kulturelle Einfluss dieser Besucher wird in
vielen Fels- und Rindenmalereien der Aborigines deutlich. Ein weiteres
Zeugnis dieser Handelsbeziehungen ist der Dingo, der wahrscheinlich vor
etwa 6.000 Jahren durch südostasiatische Seefahrer eingeführt wurde.
(...)"
---
Aus Wikipedia, Lapita:
Nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren stieg der Meeresspiegel und
die Landverbindung zwischen Australien und Neuguinea wurde unterbrochen
(s.a. Sahul) Damit ging auch die kulturelle Verbindung zwischen den
Aborigines auf Neuguinea und denen in Australien verloren.
Einige tausend Jahre später wanderten Menschen der austronesischen
Sprachfamilie nach Neuguinea und weiter nach Melanesien ein. Der
Verbreitungsschwerpunkt dieser Sprachfamilie liegt im Indonesischen
Archipel, umfasst aber auch Madagaskar vor der afrikanischen Küste und eben
Melanesien.
(...)
Die frühesten Spuren der Lapita-Kultur sind auf dem Bismarck-Archipel zu
finden und lassen sich auf die Zeit von 1500-1300 v. Chr. datieren.
(...)"
(...) The test results underscore what anthropologists have said for eons:
racial distinctions as applied in this country are social categories and
not scientific concepts. In addition, those categories draw hard, sharp
distinctions among groups of people who are more alike than they are
different. The ultimate point is that none of us really know who we are,
ancestrally speaking. All we ever really know is what our parents and
grandparents have told us.
---
* Was ich nicht eindeutig verstanden habe (keine Quellen dazu gefunden),
ist, ob die Besiedlung Afrikas auch von dieser Gruppe ausgegangen ist. Das
ist ein brisanter Punkt.
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13.09.2005/09:02 MEZ | Menschengruppen Aus aktuellem Anlaß wieder über Wahl eines Anführers
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Dies ist jetzt zwar politisch, aber ich poste es hier, weil es zum Thema
gehört und die Politik noch interessanter macht: zoon politikon.
Es geht um die Wahl unseres Stammeshäuptlings und Rates.
Mit den Zweikämpfen um die Häuptlingswürde* werden die Wahlkämpfe stärker
von den Anführern der Parteien abhängig (was sie ja sowieso schon sind).
Das ist in diesem Wahlkampf ein klarer Nachteil für die CDU. Nicht, weil
sie eine Frau ist, sondern weil sie eine triefäugige, schlaffe Frau mit
schlechter Körperhaltung (krummer Rücken, gebeugter Kopf) ist.
Es klingt zwar oberflächlich, dumm und nicht p.c., aber der äußere Eindruck
zeigt genau, wie ein Mensch ist. Man muß es nur sehen können und seinem
Instinkt vertrauen. Das heißt natürlich nicht, daß ein unansehnlicher,
kleiner Mensch von seinem Charakter und seinen Fähigkeiten kein großer Mann
(oder Anführer) sein könnte. So plump ist es nicht.
Frau Thatcher war ja auch nicht gerade ein Ausbund an Sportlichkeit und
Straffheit. Aber sie hat einen blitzenden, politischen Verstand, war sehr
offensiv und eindeutig. Das alles trifft auf Merkel nicht zu. Also, wenn
die CDU/FDP die Wahl gewinnen sollte (was ich bezweifle), so sicherlich
nicht wegen Merkel. Im Gegenteil, mit einem (oder einer) guten Anführer(in)
hätte die CDU ganz sicher gewonnen.
Ein sachlicher Aspekt, der ihre Führungskompetenz eindeutig in Frage
stellt, ist, daß sie einige gute Leute aus persönlich-machttaktischen
Gründen abgesägt hat: Volker Rühe (den ich früher nicht leiden konnte, weil
er wie ein grobes Schwein aussieht und auch so redet, den ich aber
allmählich sehr schätzen gelernt habe; manchmal täuscht der äußere Eindruck
eben doch und das muß man auch erkennen können) und vor allem Gerhard Merz.
Auch Wolfgang Schäuble, mit dessen Ansichten ich jedoch in keiner Weise
übereinstimme.
Daß Merz jetzt wieder ins Gespräch kommt, ist ein wirklicher Pluspunkt für
die CDU. Nicht daß es für die Wahlen noch eine Rolle spielen würde, aber
inhaltlich und personell. Daß man von Merz noch hören werde, davon war ich
sowieso immer überzeugt.
Ich bin strikt dagegen, daß Angela Merkel Bundeskanzlerin wird. Sie ist
keine gute Anführerin. Sie ist mehr hintenrum (nicht "maskulin-homosexuell"
ist gemeint, sondern "intrigant"), sie ist instinktlos, provinziell und der
Vergleich mit Maggie Thatcher ist hanebüchen. Ich bitte Sie. Nur weil es
(mehr oder weniger) die einzigen Anführerfrauen in Westeuropa sind/waren??
Merkel ist lächerlich im Vergleich zu Maggie (die ich auch nicht mochte,
die aber eine gute Politikerin (Weltklasse) war.
Angela Merkel kann man nicht vertrauen. Nicht persönlich (das hat sie
mehrfach bewiesen) und auch nicht zwischenstaatlich.
Schröder ist eindeutig ein Anführertyp und er besitzt auch die Fähigkeiten
dazu. Aber er hat einen großen Mangel: er ist nicht intelligent. Ein
solcher Anführertyp mit brillanter Intelligenz wäre phantastisch, sofern
ihn Macht nicht korrumpiert. Aber verrückterweise ist für einen guten
Anführer Intelligenz weniger entscheidend als Vertrauenswürdigkeit,
Instinkt und Großzügigkeit (Weitblick).
Zu Schröders legendärem Zur-Höchstform-Auflaufen-im Krisenfall kann ich nur
sagen: lieber ein Anführer, der im Alltag mittelmäßig ist, im Krisenfall
jedoch ein guter Anführer ist, als einer, der zwar sehr gut ist solange
nichts los ist, der aber versagt, wenn es Probleme gibt.
Ich glaube nach wie vor, daß Schröders Entscheidung für vorgezogene
Neuwahlen der Geniestreich eines hervorragenden Anführers war. Wenn er
verliert, so hätte das eine Jahr den Braten auch nicht fett gemacht und dem
Land nur geschadet. Wenn er gewinnt, dann hat er seine Macht auf neue,
kräftigere Füße gestellt. In jedem Fall hat er dem Land, das er anführt,
etwas Gutes getan. So handelt ein Mann von Größe, auch wenn er nicht
überragend intelligent ist.
Die SPD jedoch verdient es nicht, wiedergewählt zu werden, wenn sie sich
nicht etwas entflicht und handlungsfähiger wird..
Noch kurz was zur FDP: bei dieser Wahl, finde ich, hat die FDP nach langer
Zeit (neoliberal hin oder her) endlich wieder was zu bieten. Ich fände es
gar nicht schlecht, wenn sie eine starke Position erhalten (nicht
"erringen").
Ach ja, die Grünen: schade, daß es nur noch Realos gibt. Die sind zwar
nötig, aber im Gespann mit den Fundis waren sie überzeugender (und
kurioser).
Jetzt ratet mal, wen ich wähle.
Ich wähle keine Person. Ich wähle nie eine Person. Ich wähle immer eine
Partei. Und ich wähle nie taktisch, sondern immer inhaltlich. Und ich wähle
nicht kurzfristig ("Oh, die wollen MwSt.-Erhöhung"). |
* Heutzutage zivilisierterweise ohne körperliche Gewalt; früher gab es das
übrigens mancherorts auch schon - wer die bessere Rede hält, bzw.
überzeugender ist.
Siehe dazu auch mein Posting Ein
guter Anführer. Ich wiederhole mich zwar mehrfach, aber die
Zeitpunkte sind interessant: Ein
guter Anführer schrieb ich unmittelbar nach Schröders Ankündigung
der Neuwahlen und dies schrieb ich einige Tage vor den Wahlen. Mal sehen,
ob ich nach der Wahl auch noch Lust dazu verspüre, was zu posten. |
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24.05.2005/14:28 MEZ | Menschengruppen Ein guter Anführer
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Dies ist eine Lobpreisung des derzeitigen deutschen Leitwolfs. Er hat
deutliche Schwächen und ist vor allem im Alltagsgeschäft nicht besonders
gut, insofern beileibe nicht der optimale Anführer. Erstaunlich gut ist er
aber wenn es darauf ankommt, nicht nur im Wahlkampf, sondern allgemein wenn
es um wichtige Entscheidungen geht.
Wenn man vom konkreten Fall absieht, erhält man hier eine summarische und
etwas holprig und tendenziös geschriebene Charakterisierung eines guten
Anführers einer Menschengruppe, wie er auch vor 3000 oder 6000 Jahren, oder
eines guten Anführers einer Primatenhorde vor drei Millionen Jahren
(*) existiert haben mag.
Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich es genieße, wenn jemand mit
wirklichem Mut, Spontaneïtät und Entschlossenheit auch in "weltbewegenden
Dingen" agiert (solange es sich nicht um einen Diktator handelt).
Schröder hat etwas getan, wozu in Krisensituationen nur gute Anführer in
der Lage sind: er hat tollkühn eine Bresche geschlagen in den Wall, der das
Land einengte und lähmte. Er hat Führerschaft bewiesen wo Ausweglosigkeit
herrschte, und nicht nur für seine Anhänger, sondern für alle. Endlich,
endlich, kommen die Dinge in Bewegung. Es besteht keine Garantie auf
Besserung der Lage, aber zumindest besteht die Möglichkeit und es entsteht
die Bereitschaft, etwas dafür zu tun (und dafür auf etwas zu
verzichten).
Und es ist nicht eine - oft verkennend so interpretierte -
selbstmörderische Handlung. Es ist eine schnelle, aber überlegte und
richtige Entscheidung, genau das, was ein Führer können muß (und was Angela
Merkel definitv nicht kann, sie laviert und trifft die falschen
Entscheidungen - sie hätte brav an der Seite Bushs Soldaten in den Irak
geschickt). Frau Merkel ist zu langsam und kann nicht das Gefühl
vermitteln, es sei gut, ihr zu folgen — obgleich sie auch ein gewisses
Kaliber hat (nicht nur ihren Organismus betreffend). Von dem Typ mit dem
Tirolerhut rede ich gar nicht erst, der ist zu seicht und zu
provinziell.
Schröder hat mit einem Schlag Stoiber abhackt. Er ist trotz eben erlittenem
Wahldebakel in NRW dennoch derjenige, der unverhofft eine positive Stimmung
im ganzen Land aufkommen läßt (!) (Herzogs "Ruck durch Deutschland"). Der
CDU-Sieg in NRW ist plötzlich nebensächlich. Schröder hat Schwächen, aber
man kann ihm vertrauen, wenn es darauf ankommt. [Im Gegensatz zu Merkel.
Die sägt ihre besten Leute um der eigenen Macht ab. Sie hat keine Richtung.
Sie will die Macht, aber wozu, das weiß keiner.] Man weiß woran man mit ihm
ist.
Schröder hat mit diesem Ausfall die unerträgliche Zähigkeit in der Politik
und der Stimmung im Lande verflüssigt und unverhofft in Schwung gebracht.
Er hat eine Weggabelung eröffnet, eine Perspektive, aber auch einen Zwang
zur Entscheidung.
Schröder hat einen guten Instinkt. Merkel hat keinen.
Er hat Größe bewiesen, Großzügigkeit - das Gegenteil von Kleinkariertheit.
Vielleicht verliert er, aber er hat einen Weg eröffnet. Und es ist gut
möglich, daß ihm das sogar die Macht erhält. |
Fortsetzung (und teilweise Wiederholung), vor der Wahl
(*) Man hat einmal beobachtet, wie eine Pavianherde, die sich an einem
Wasserloch in der Savanne aufhielt, von mehreren im Team jagenden Löwinnen
beschlichen wurde, und wie der offenbar gute Anführer dieser Gruppe
ausnahmslos alle gerettet hat.
Also die Löwinnen schlichen sich von mehreren Seiten durch das hohe
Savannengras an, wahrend die Paviane sich am Wasser wohlfühlten und die
Kinder herumtollten; jeder machte mehr oder weniger was er wollte.
Als die Paviane die Gefahr erkannten, übernahm der Hordenführer sofort die
Leitung. Alle, inklusive der Kinder verstummten und verhielten sich
überraschend diszipliniert. Das Alpha-Männchen führte die ganze Horde
lautlos im Gänsemarsch im hohen Gras versteckt zwischen zwei Löwinnen (die
das nicht bemerkten) hindurch und zu einem großen Baum, auf den sie sich
alle retten konnten. |
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